Vitamin-D-Prophylaxe

Vitamin D sorgt dafür, dass Kalzium aus der Nahrung in die Blutbahn aufgenommen und in den Knochen eingelagert wird. Rachitis ist eine Erkrankung, die durch einen Vitamin-D-Mangel hervorgerufen wird, die Folgen sind bleibende Knochenverkrümmungen durch eine krankhafte „Knochenerweichung“.

Nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE reicht die Zufuhr an Vitamin D über Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung bei Säuglingen in den ersten zwei Lebensjahren nicht aus. Auch die ab dem 5. Lebensmonat ergänzend gefütterten Gläschen und Breie (Beikost) können das Defizit nicht ausgleichen. Die Eigenproduktion an Vitamin D in der Haut des Babys ist ungenügend, in Deutschland wird die erforderliche Lichtstrahlung zwischen November und Februar nicht erreicht. Ein Sonnenbad des Babys auf der Fensterbank hilft übrigens recht wenig, da die normale Fensterverglasung den größten Teil des notwendigen Lichtspektrums abwehrt.

Säuglinge sollten deshalb in Deutschland ab der zweiten Lebenswoche zur Rachitisprophylaxe die tägliche Gabe einer Tablette mit 400 – 500 internationalen Einheiten Vitamin D erhalten. Dies gilt zunächst bis zum ersten Geburtstag. Im Herbst und Winter geborene Babys bekommen nach dem ersten Geburtstag die Vitamin-D-Tabletten bis zum folgenden Frühjahr weiter verabreicht. Im Regelfall wird die Gabe des Vitamin D mit der Fluorid-Gabe zur Vorbeugung der Karies kombiniert.

Frühgeborene erhalten bis zum Erreichen von 3 kg Körpergewicht reine Vitamin-D-Tabletten ohne Fluoridzusatz.

 
 

Fluorid-Prophylaxe

Fluorid ist ein natürliches Spurenelement, das den Aufbau gesunder Zähne maßgeblich unterstützt. Fluorid wird vom Körper vor allem zum Aufbau der Zähne und der Knochen benötigt. Fluoride verhindern auf der einen Seite, dass Mineralstoffe wie Kalzium und Phosphor aus dem Zahnschmelz gelöst werden (Demineralisation). Dadurch bleibt der Zahnschmelz hart und widerstandsfähig. Auf der anderen Seite fördern sie den Einbau dieser Mineralstoffe in den Zahnschmelz (Remineralisation).

Fluoride verhindern, dass die Karies verursachenden Bakterien sich auf der Zahnoberfläche ansiedeln können. Sie hemmen den Stoffwechsel der Kariesbakterien, dadurch produzieren diese weniger Säure, die letztlich den Zahnschmelz angreift. Fluorid lagert sich in den Zahnschmelz ein und erhöht so zusätzlich dessen Widerstandskraft gegen kariesbildende Säuren.

Die wichtigste Phase für die Fluorideinlagerung ist die Zeit der Zahnschmelzbildung, für die bleibenden Zähne beginnt dieses Stadium bereits kurz nach der Geburt!

Ein wesentlicher Teil der vorbeugenden Wirkung von Fluorid gegenüber der Zahnkaries wird auf eine örtliche Wirkung zurückgeführt. Dies wird durch die Anwendung von fluoridierter Zahnpasta breit genutzt. Fluoridierte Kinderzahnpasta enthält 0,25 – 0,5 mg Fluorid/g Zahnpasta, fluoridierte Erwachsenenzahnpasta enthält 1,5 mg Fluorid/g Zahnpasta.

 
 

Fluoride bei Säuglingen und Kindern?

Die Experten streiten sich, wie die Kariesvorsorge mit Fluorid am effektivsten und gesündesten ist. Kinder- und Zahnärzte sind hier unterschiedlicher Meinung.

Unstrittig ist:
In der richtigen Menge schützt Fluorid vor Karies. Ein Zuviel an Fluorid kann tatsächlich schädlich für Säuglinge und Kleinkinder sein und fleckförmige Verfärbungen des Zahnschmelzes, die sogenannte Dentalfluorose hinterlassen.

Die zahnärztlichen Fachgesellschaften raten seit dem Jahr 2000 dazu, keine Fluoridtabletten zu verwenden, sondern vom ersten Zahn an, jeden Tag einmal mit einem erbsengroßen Stück fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Dabei sollte die Kinderzahncreme nicht mehr als 500 ppm (0,05%) Fluorid enthalten. Ab dem zweiten Lebensjahr empfehlen sie, dem Kind zweimal täglich auf diese Weise die Zähne zu putzen. Die Zahnärzte begründen ihre Empfehlung mit Studien, die zeigen, dass die Anwendung von Fluoriden direkt an den Zähnen wirkungsvoller ist als die Tablettengabe. Außerdem befürchten sie, dass durch Fluoridtabletten zu viel Fluorid aufgenommen werden könnte.

Die Fachgesellschaften der Kinder- und Jugendärzte sind anderer Meinung:
Es stimmt – in Ländern mit einer Fluoridanreicherung des Trinkwassers durch die Wasserwerke kann es zu einer Überversorgung mit Fluorid kommen. Daher werden Fluoridtabletten in diesen Ländern nur eingeschränkt oder nicht empfohlen (z. B. Niederlande, USA, Schweiz, Irland).

In Deutschland ist die Situation anders: Wir haben keine natürlicherweise oder durch Trinkwasseranreicherung fluoridreichen Säuglings- und Kindernahrungsmittel. Die richtige Menge an Fluor ist aber ebenso wichtig, um die Zahnhärtung in der Phase des Zahnaufbaus zu unterstützen. Deshalb empfehlen namhafte wissenschaftliche Gesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE) Fluoridtabletten bereits im ersten Lebenshalbjahr, in der Regel ist es eine Dosis von 0,25mg Fluorid pro Tag. Bekommt das Kind Trink- oder Mineralwasser mit einem Fluoridgehalt über 0,3 mg pro Liter, ist eine Ergänzung durch Fluoridtabletten nicht notwendig.

Anders als Zahnärzte es empfehlen ist aus kinderärztlicher Sicht die Verwendung von Zahnpasta, insbesondere fluoridierter, für Säuglinge und Kleinkinder aus den folgenden Gründen nicht zu empfehlen:

Kinder sollten im älteren Säuglings- und im Kleinkindalter in behutsamen Schritten spielerisch und in positiv erlebter Weise an die regelmäßige Zahnreinigung
herangeführt werden, die sie mit zunehmendem Alter selbst durchführen sollen. Die Zahnreinigung kann im Säuglingsalter zunächst mit einem Wattestäbchen oder aber mit einer altersgerecht geformten Zahnbürste vorgenommen werden.

Zahnpasta ist ein kosmetisches Produkt zur Zahnreinigung, das nicht zum Verzehr bzw. zum Verschlucken vorgesehen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat festgestellt, dass in Deutschland für Kinder angebotene Zahnpasten Substanzen enthalten, die als Inhaltsstoffe für Mundpflegemittel vorgesehen aber nicht für den Verzehr geeignet sind. Für einige Inhaltsstoffe von Zahnpasten werden ausdrückliche Warnhinweise empfohlen wie „Nicht verschlucken“ oder „Übermäßiges Verschlucken vermeiden“ (bei Kinderzahnpasten z. B. Fluoridverbindungen). Auch deshalb sollten keine Kinderzahnpasten eingesetzt werden, die durch Aufmachung bzw. für Kleinkinder attraktive Farben oder Geschmacksstoffe das kindliche Verschlucken fördern. Zahnpasten sollen erst dann regelmäßig verwendet werden, wenn das Kind Zahnpasta nach dem Zähneputzen weitgehend ausspucken kann. Bei großer inter-individueller Variation ist diese Fähigkeit in der Regel im Alter von 4
Jahren (fünftes Lebensjahr) erreicht. Die Empfehlung der Anwendung einer geringen Menge („dünner Film“, „erbsengroße Menge“) ist auf eine kariesprophylaktische Wirksamkeit nicht untersucht, wird in der Praxis nicht richtig umgesetzt und bietet keinen hinreichenden Schutz vor dem Verschlucken größerer Mengen an Zahnpasta.

Eine rezente Cochrane-Metaanalyse zeigt bei Schulkindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren eine kariespräventive Wirkung der regelmäßigen Anwendung fluoridierter Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1000 bis 1250 ppm (mittlere Kariesreduktion 23 %) und mit einem Fluoridgehalt von 2400 bis 2800 ppm (mittlere Kariesreduktion 36 %), während Zahnpasten mit einem Fluoridgehalt von 440 bis 550 ppm (Kinderzahnpasta) keine Kariesreduktion zeigen (Walsh et al. 2010).

Somit besteht keine Grundlage für eine Empfehlung der Anwendung der in Deutschland üblichen Kinderzahnpasten mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm oder für die Anwendung fluoridierter Zahnpasta im Vorschulalter. Die tägliche Anwendung einer Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid wird im Vorschulalter wegen des Risikos einer übermäßigen Fluoridexposition und einer Fluorose nicht empfohlen.

 
 

Macht Fluor Bauchschmerzen?

Es mag sicher einige wenige Säuglinge geben, die sehr empfindlich auf Fluorid in Tabletten reagieren, aber die von Eltern häufig am fünften bis zehnten Lebenstag beobachteten beginnenden Bauchschmerzen haben in fast allen Fällen nichts mit den Fluoridtabletten zu tun. Durch den noch unreifen Dünndarm werden nicht alle Nährstoffe aus der Muttermilch resorbiert und somit gelangen unter anderem Milchzucker in den Dickdarm. Dieser ist bei Geburt noch steril und wird durch in der Muttermilch enthaltene Milchsäurebakterien nach und nach besiedelt. Es bildet sich die für jedes Kind individuelle Darmflora. Die sich ansiedelnden Bakterien vergären den in den Dickdarm gelangenden Milchzucker und es entstehen Darmgase. Um den fünften bis zehnten Lebenstag sind genügend Bakterien vorhanden um eine (je nach Darmflora verschiedene) relevante Menge an Darmgasen zu produzieren, die bei bis zu 20% aller Säuglinge zu Bauchschmerzen führt.

Es ist nur Menschlich für dieses neue Ereignis (erstmalige Bauchschmerzen) eine Ursache zu suchen und allzu oft finden Mütter diese in der ja vor kurzem erst begonnenen Fluoridprophylaxe.
Leider ist diese sehr häufig nicht ursächlich für die Problematik und somit führt das Weglassen auch in den allermeisten Fällen nicht zu einer Besserung, jedoch zu einem Verzicht auf eine medizinisch sinnvolle Kariesprophylaxe.

 
 

Meine Empfehlung zur Fluoridprophylaxe

Auch nach ausführlicher Literatur- und Meinungsrecherche habe ich keine vollständig befriedigende Antwort gefunden. Ich persönlich empfehle Ihnen nach Zusammenschau aller mir bekannten Quellen folgendes Vorgehen zur Kariesprophylaxe mit Fluorid:

  1. Fluorid in Form von Fluortabletten in Verbindung mit Vitamin D (Zymafluor D, Fluorvigantoletten oder D-Fluoretten) ab dem zehnten Lebenstag mindestens 1 Jahr lang, besser 1 Jahr und einen Winter.
  2. Danach Fluoretten 0,25 mg bis zum 3.Geburtstag! (Bis zum 3. Geburtstag können Sie Fluorid als Tablette geben und gleichzeitig in der Küche Jod-Salz mit Fluorid benutzen. Dies schadet nicht, wenn sie sparsam salzen!)
  3. Sie beginnen mit dem Zähneputzen, wenn die ersten Zähnchen durchkommen. In diesem Alter sorgen Sie ganz allein für die Zahnpflege. Kann das Kind sicher im Bad stehen und die Eltern imitieren, kann es selbst die Zähne zu putzen versuchen. Aber hierbei gilt: Es wird nur an den vorderen Zähnen längs schrubben. Die Backenzähne müssen Sie mindestens einmal täglich nachputzen.
  4. Ab dem 3.Geburtstag steht das Zähneputzen ganz im Vordergrund, mindestens 3 Minuten, bis zum 6.Geburtstag mit Kinderzahnpasta. Geben Sie bitte selbst die Zahnpasta auf die Bürste, und zwar 2 x täglich eine „Erbse“. Kinder nehmen häufig viel zu viel, weil es so gut schmeckt. Die Reste der Zahnpasta ausspucken. Ausspülen ist nicht nötig, es verhindert die Wirkung auf die Zähne selbst! Dazu Jodsalz mit Fluorid. Benutzen Sie diese beiden Fluor-Quellen nicht, sollten sie altersgemäß dosiert Fluorid-Tabletten geben (0,5 bis zum 6. Geburtstag, danach 1,0 mg). Des Weiteren geht es ab dem 3. Lebensjahr 2x im Jahr zum Zahnarzt zur Kontrolle.
  5. Zähneputzen üben! Wenn die Kinder 5 sind, geht scheinbar schon alles wie von selbst. Aber Vorsicht, wenn Sie nicht mindestens einmal in 7 Tagen kontrollieren, geht das einmal geübte schnell verloren, Resultat: Katzenwäsche für die Zähne! Ab 7-8 J. reicht’s, wenn Sie nur noch gelegentlich nachbürsten und nachschauen! Das Zähneputzen soll zur selbstverständlichen Gewohnheit werden, wie die anderen Verrichtungen der Körperhygiene auch!
  6. Ab dem 6.Geburtstag: Erwachsenen-Zahnpasta in gleicher Menge („Erbse“)! Fissuren-Versieglung durch den Zahnarzt…

Ich werde dieses Thema weiter im Auge behalten und bei Neuerungen in der Forschung darünber Informieren. Bis dahin halte ich den obigen Kompromiss für mich für am besten Vertretbar.


Sprechen Sie mich gerne darauf an, wenn Sie Fragen zur Vitamin-D oder Fluoridprophylaxe haben.

Ebenfalls gerne berät Sie die auf Kinder spezialisierte Zahnarztpraxis von Marius Richter in Wremen.


Weiterführende Informationen:


Letzte Änderung: 02.02.2015

Quelle: teilweise modifizierte Version aus dem „Baby-Kompass Bayern“