Verstopfung bei Kindern

Eine Verstopfung (medizinisch auch Obstipation genannt) bei Kindern ist ein sehr häufiges Phänomen, dessen Tragweite von vielen Eltern leider deutlich unterschätzt wird. Die Ernährung spielt bei der Entstehung von Verstopfungen zwar eine große Rolle, ist aber häufig nicht die alleinige Ursache. Die neueste Forschung geht aktuell davon aus, dass das Mikrobiom im Darm eine viel größere Rolle bei der Entstehung von Verstopfungen spielt, als wir bisher dachten.

Natürlich kann eine gesunde optimierte Mischkost mit ausreichend Trinken (Wasser!), Obst, Gemüse und eine ballaststoffreiche Ernährung das Auftreten von Verstopfungen reduzieren, aber viele Kinder bekommen trotz ausgewogener Ernährung eine Verstopfung.

Bei Verstopfungen geraten Kinder sehr schnell in einen Teufelskreis.
Harter Stuhlgang tut weh, beim nächsten Stuhldrang wird der Stuhl aus Angst vor Schmerzen eingehalten, was wiederum die Verstopfung fördert oder verschlimmert. Dadurch wird der nächste Stuhlgang wieder schmerzhaft und der Teufelskreis dreht sich.

Leider prägt sich diese Angst bei Kindern sehr schnell tief ein, so dass eine Therapie der Verstopfung oftmals nicht in der einmaligen Beseitigung des harten Stuhlgangs liegt. Kinder müssen über Wochen, Monate, teilweise sogar Jahre (je nachdem wie lang die Verstopfung vorher bestanden hat) die Erfahrung machen, dass Stuhlgang nicht mehr weh tut, bevor man aus dem Teufelskreis entkommen kann.


Woran erkenne ich als Eltern, dass mein Kind unter Verstopfung leidet?

Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Eine Verstopfung muss nicht zwingend bedeuten, dass Ihr Kind für mehrere Tage keinen Stuhlgang hat.
Auch Kinder mit regelmäßigem Stuhlgang können schwer verstopft sein.
Andersherum dürfen Kinder auch nur alle 4-5 Tage Stuhlgang haben, ohne dabei verstopft zu sein.

Mögliche Zeichen für Verstopfung sind:

  • – Häufige Bauchschmerzen
  • – Schmerzen beim Stuhlgang
  • – Vermeiden von Toilettengängen (für Stuhlgang) bis kurz vor knapp
  • – Stuhlschmieren (häufig/tägliche kleine Kotmengen in der Unterhose)
  • – dünnerer Stuhl aber in kleinen Mengen und häufig (kein Durchfall wie bei einem Magen-Darm-Infekt)
  • – harter Stuhlgang (Knüddelig, Kotsteine, etc.)

Sollten Sie eine Verstopfung bei Ihrem Kind vermutet, auch wenn Sie nicht sicher sind, sprechen Sie bitte mit Ihrem Kinderarzt darüber!


Was kann ich als Eltern tun, wenn mein Kind unter Verstopfung leidet?

Sprechen Sie bitte zeitnah mit Ihrem Kinderarzt über das Problem, er wird Sie ausführlich beraten und Ihnen weiter helfen.

Die Therapie der Verstopfung besteht zum einen aus der akuten Beseitigung des harten Stuhlganges im Enddarm, der aktuell zu Schmerzen führt. Dies erfolgt mit z.B. Zäpfchen (z.B. Glycilax), Microklist Einläufe oder Klysmen (Flüssigkeitseinläufe), die Sie nach ärztlicher Anleitung Zuhause verabreichen können.
In wenigen, sehr akuten Fällen, kann aber auch einmal ein Krankenhausaufenthalt von Nöten sein.

Des Weiteren benötigt Ihr Kind einen Stuhlweichmacher, der Wasser im Darm bindet und dadurch eine erneute Verstopfung verhindert.
Bei Säuglingen bis 6 Monaten steht hierfür Milchzucker zur Verfügung, ab 6 Monate verwendet man Macrogol Präparate.

Bei Macrogol handelt es sich um einen Quellstoff, der nichts anderes macht, als Wasser im Darm zu binden und dadurch den Stuhl weicher zu machen. Macrogol wirkt dabei weder auf den Körper noch auf den Darm. Es ist im klassischen Sinne also kein Abführmittel und man muss keine Angst vor Gewöhnung oder Abhängigkeit haben. Macrogol kann problemlos über Jahre gegeben werden, wenn dies notwendig sein sollte.

Es sind eine Vielzahl von verschiedenen Macrogol-Präparaten auf dem Markt (Movicol, Movicol Junior, Kinderlax, Laxbene, etc.), die alle geschmacklich jedoch einen Nachteil haben, sie schmecken allesamt leicht Salzig/chemisch. Diesen Salzgeschmack versuchen die Hersteller durch Zusatz von Geschmacksstoffen (mehr oder weniger gut) zu überdecken. Es gibt z.B. Zitronengeschmack (Kinderlax), Erdbeergeschmack (Laxbene), Schokoladengeschmack (Movicol) oder Orangengeschmack (Movicol).

Wenn Ihr Kind alle obigen Präparate verweigern sollte, sprechen Sie Ihren Kinderarzt an und lassen Sie sich Macrogol 4000 als Reinsubstanz verschreiben.
Macrogol 4000 als Reinsubstanz ist völlig geschmacksneutral und kann bei Kindern bis 12 Jahre auf Rezept verordnet werden.


Wie dosiere ich Macrogol richtig?

Die richtige Dosierung von Macrogol richtet sich nach der Stuhlkonsistenz Ihres Kindes. Die Zielkonsistenz unter Macrogoltherapie ist „Kartoffelpüree„.

Beginnen Sie mit einem Beutel Macrogol (oder der von Ihrem Arzt empfohlenen Menge, 5g bei Verwendung der Reinsubstanz Macrogol 4000) pro Tag und steigern Sie die Dosierung alle 2 Tage um einen Beutel (oder 5g Reinsubstanz), bis Ihr Kind Durchfall bekommt.
Bei mehreren Beuteln/Gaben pro Tag verteilen Sie diese auf die Mahlzeiten (morgens und abends, oder morgens, mittags und abends)
Danach reduzieren Sie die Menge schrittweise wieder, bis Sie die Zielkonsistenz des Stuhles von Kartoffelpüree erreicht haben.

Sollte eine Verstopfung erstmalig aufgetreten sein und nur kurz bestanden haben, dann geben Sie Macrogol für 4 Wochen.
Wenn Ihr Kind nach Beendigung der Therapie wieder zunehmend harten Stuhlgang entwickelt, warten Sie bitte nicht, bis erneut eine Verstopfung entstanden ist sondern beginnen sofort wieder mit der Gabe von Macrogol.

Bei länger bestehenden Verstopfungen oder nach misslungenem erstem Auslassversuch sollte Macrogol konsequent über einen Zeitraum von 3 Monaten gegeben werden. Nach 3 Monaten können Sie einen erneuten Auslassversuch starten. Auch hier bitte bei den ersten Anzeichen von zunehmend hartem Stuhlgang sofort wieder mit Macrogol beginnen.

Sollte auch der Auslassversuch nach 3 Monaten gescheitert sein, geben Sie Macrogol bitte konsequent für ein Jahr weiter.
Nach einem Jahr können Sie dann erneut einen Auslassversuch starten.

Natürlich sollten Sie auch auf die Ernährung achten, denn eine optimierte Mischkost ist für jedes Kind wichtig.


Bei Fragen oder Problemen beraten wir Sie gerne